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Assoziationen zwischen Industrie und Landwirtschaft

Die sozialen Aufgaben, die heute dem Staat zugeschoben werden, sind eigentlich Aufgaben, die von der Wirtschaft selbst erfüllt werden sollten. Wie kann das erreicht werden? Die moderne Wirtschaft ist durch Arbeitsteilung leistungsfähig geworden, und sie wird es immer noch mehr. Zur Teilung der Arbeit gehört aber auch die Zusammenarbeit, nicht nur innerhalb der einzelnen Unternehmen, sondern auch zwischen den Unternehmen. Die heutigen Firmenzusammenschlüsse im egoistischen Interesse des Kapitalprofits sind wie eine Karikatur von dem, was eigentlich sein sollte, nämlich eine nicht zentralistische Organisation, in der sich die Menschen und Unternehmen, die wirtschaftlich miteinander zu tun haben, freiwillig anfangen, sich organisatorisch zusammenzuschließen. Rudolf Steiner bezeichnete sie mit einem zu seiner Zeit gebräuchlichen Wort als Assoziationen. Er meinte damit etwas anderes als Kartelle, Gewerkschaften oder Genossenschaften. Es sollten nicht nur die Menschen und Unternehmen, die die gleichen wirtschaftlichen Interessen haben, miteinander in Verbindung treten, sondern gerade die Gegenpartner, also diejenigen, die etwas verkaufen wollen, mit denen, welche es benötigen, die Produzenten mit ihren jeweiligen Abnehmern und Konsumenten.

Für die Landwirtschaft sind Partner in diesem Sinne alle Menschen, die Lebensmittel brauchen. Die meisten von ihnen beziehen ihr Einkommen aus allen anderen Bereichen der Wirtschaft. Ihr Einkommen ist abhängig vom Preis der Waren, die sie dort herstellen. Wenn man von Preisen spricht, geht es ja nie um den einzelnen Preis, sondern immer um das Verhältnis zwischen den verschiedenen Warenpreisen; und diese sind abhängig von allen Faktoren, die es in der Wirtschaft überhaupt gibt. Diese Faktoren zu beobachten und geeignete Maßnahmen zu empfehlen, einzuleiten, zu ermöglichen, das ist Aufgabe der Assoziationen. Daher müssen in den Assoziationen kompetente Leute aus den Unternehmen zusammenkommen, die die nötigen Maßnahmen, wenn sie sie erkannt haben, dann auch durchführen können. Diese Maßnahmen bestehen nicht darin, die Preise durch Marktmacht festzulegen, wie es Kartelle machen würden, sondern es geht um Maßnahmen wie Produktionsumstellungen, die dafür sorgen, dass vernünftige Preise in den Märkten entstehen können.

Nachhaltigkeit 1

Assoziationen sind nach föderalistischen Prinzipien von den Regionen her aufgebaut. Steiner empfahl, das Erste, was erreicht werden müsste, seien Assoziationen zwischen der Industrie und der Landwirtschaft. Tatsächlich besteht hier die größte Notwendigkeit für ausgleichende Maßnahmen. In solchen Assoziationen müssen alle Beteiligten etwas von der Polarität zwischen Industrie und Landwirtschaft verstehen und damit auch von Urproduktion und Bodenfruchtbarkeit in der landwirtschaftlichen Individualität.

Durch solche Überlegungen erhalten wir die Grundlagen dafür, dass wir die Stellung der Land- und Waldwirtschaft in der Gesamtwirtschaft nach und nach besser verstehen und die drängenden Probleme der Nachhaltigkeit nicht in der Politik, sondern in der Wirtschaft selbst lösen können. Wenn wir Bodenschätze verbrauchen und auch aus den Abfällen nicht mehr zurückgewinnen können, müssen wir wissen, dass wir diesen Verlust nur dadurch kompensieren können, dass wir die Lebendigkeit und Leistungsfähigkeit des fruchtbaren Bodens verbessern. Das ist nicht eine Aufgabe der Staatspolitik, sondern der Wirtschaft. Es geht darum, den Bauern an jedem Ort und in jeder Region die Möglichkeit zu geben, die für den Aufbau der Bodenfruchtbarkeit nötige Arbeit zu leisten, die immens ist. Gut wird diese Arbeit nur, wenn die Bauern sie so leisten, wie sie es verstehen können, aus den Einsichten, die sie haben und sich möglicherweise mit unserer Hilfe erarbeiten. Es handelt sich um eine Entwicklungsarbeit, die an jedem Ort, in jeder Region individuell geleistet werden muss.