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Geldschöpfung als Leihgeld

 

Bargeld besteht aus Banknoten und Münzen und nur diese gelten als gesetzliche Zahlungsmittel. Der Staat beansprucht für ihre Herstellung ein gesetzliches Monopol. Die Münzprägung untersteht direkt dem Finanzministerium, und mit der Herausgabe von Noten beauftragt der Staat die Notenbank (Zentralbank). Die Menschen dürfen, wenn sie etwas verkaufen wollen, innerhalb des Staatsgebiets dieses Geld nicht zurückweisen, sondern sie sind verpflichtet, es anzunehmen – das Münzgeld nur in begrenztem Umfang, z.B. in der Schweiz bis zum Betrag von 50 Franken, beim Euro bis zu 50 Stück unabhängig vom Betrag. Buchgeld ist dagegen kein gesetzliches Zahlungsmittel, wer aber ein Bankkonto eröffnet, erklärt sich auch mit der Annahme dieses Geldes einverstanden. Auch der Staat ist damit einverstanden, dass wir ihm Steuern und Gebühren von unserem Privatkonto (Girokonto) überweisen. Jeder Bankkunde kann verlangen, dass ihm sein Geld als Bargeld ausbezahlt wird. Das tun die Menschen normalerweise nur in kleinem Umfang, und die Bank hält daher nur in diesem kleinen Umfang Banknoten und Münzen bereit. Wenn der Bankkunde nicht auf der Auszahlung von Banknoten besteht, kann die Bank ihm den geforderten Betrag als Buchgeld auf einem Girokonto gutschreiben.

Weil nun die Banken die Erfahrung gemacht haben, dass die Kunden ihr Geld (Sichteinlagen, Giralgeld) oft nicht innerhalb der vereinbarten Kündigungsfrist zurückverlangen, können sie es weiter verleihen, und zwar auch längerfristig, oder sie können es für spekulative Geldgeschäfte verwenden. Wenn ich auf meinem Bankkonto eine Summe Geld habe, kann ich nicht davon ausgehen, dass dieses Geld in der Bank für mich aufgehoben wird, bis ich es wieder brauche, sondern die Bank macht damit ihre Geschäfte, indem sie Kredite gewährt oder spekulative Transaktionen im Börsen- und Devisenhandel ausführt. So verwandelt die Bank kurzfristiges in langfristiges Geld, und diese so genannte Fristentransformation ist heute ein wichtiger Teil ihrer Geschäftstätigkeit. Mit unseren Begriffen können wir sagen: Die Bank gibt unser Kaufgeld durch Kreditgeschäfte weiter, ohne uns zu fragen, ob wir damit auch einverstanden sind. Kaufgeld und Leihgeld fließen auf diese Weise ineinander über und sind nicht durch klare Regeln getrennt.

Ohne alle Details der Geldschöpfung zu untersuchen (siehe dazu das Buch „Nachhaltigkeit“ von Rudolf Isler, 2013), können wir sagen, dass heute alles Geld als Leihgeld geschaffen wird und erst in einem zweiten Schritt als Zahlungsmittel in den Kaufgeld-Kreislauf kommt. Das Bankensystem, an dessen Spitze die Zentralbank steht, bringt alles Geld auf dem Kreditweg in Umlauf. Geld entsteht heute immer dadurch, dass jemand Schulden macht, und nicht dadurch, dass wirtschaftliche Werte geschaffen werden. Die Banken zaubern es aus dem Nichts hervor, und man nennt es deshalb Fiat-Geld in Analogie zum Ausdruck „fiat lux“ (es werde Licht) in der lateinischen Bibel.