Hauptmenu

Die drei Geldarten

 

Die Unterscheidung der drei Geldarten ist eine bedeutende Entdeckung von Rudolf Steiner („Nationalökonomischer Kurs“ 1922). Durch die Geldarten treten die Menschen auf verschiedene Weise in Beziehung zu einander.

   1) Kaufgeld (Zahlungsmittel): Ein Kauf wird zwischen einem Käufer und einem Verkäufer abgeschlossen, wenn der Geldbetrag den gleichen Wert hat wie die gekaufte Ware oder Leistung. Wenn kein Rückgaberecht und keine Garantieansprüche geltend gemacht werden, wechselt das Kaufgeld den Besitzer unwiderruflich.

   2) Leihgeld oder Kreditgeld: Wenn ich jemandem Geld leihe, gebe ich es nicht selber für einen Kauf aus, sondern übertrage es auf den Leihgeld-Empfänger, so dass dieser es als Kaufgeld ausgeben kann. Das Geld zirkuliert also weiter als Kaufgeld und behält seine Kaufkraft, aber gleichzeitig entsteht zusätzlich etwas Neues: Zwischen dem Leihgeldgeber und dem Empfänger gibt es ein Guthaben-Schulden-Verhältnis, das so lange dauert, bis die Schuld zurückgezahlt ist.

   3) Schenkungsgeld: Wenn ich mein Geld jemandem schenke, übertrage ich die Kaufkraft des Geldes unwiderruflich, wie beim Kaufen, jedoch ohne Gegenleistung.

Die allgemeine Geldtheorie sagt, das Geld sei dadurch definiert, dass es drei Funktionen habe. Es diene erstens als Tauschmittel, zweitens als Wertaufbewahrungsmittel und drittens als Bewertungsmaß. Diese drei Funktionen wirft man in einen Topf und nennt das Ganze Geld. Zu dieser Vorstellung kommt man, weil man das Geld als eine Ware ansieht, die ein gut handhabbares Tauschmittel ist und als wertbeständiges Gut aufbewahrt werden kann. Die Tauschmittel-Funktion kommt aber nur dem Kaufgeld zu, und die Wertaufbewahrung ist eine Eigenschaft des Leihgeldes. Nur die dritte Funktion (Geld als Wertmaß und Recheneinheit) gilt für alle drei Geldarten und verbindet sie miteinander; das heißt, die Kaufkraft ist bei allen Geldarten die gleiche.

Wenn ich Geld in der Kasse oder auf dem Girokonto habe, habe ich einen Anspruch darauf, dass andere für mich Leistungen erbringen; ich kann diese Leistungen kaufen. Als Kreditgeber habe ich einen ganz anderen Anspruch, nämlich auf Rückzahlung des geliehenen Geldes, wobei die Laufzeit des Kredits jeweils ein wichtiger Punkt im Darlehensvertrag ist. In beiden Fällen bedeutet der Anspruch, dass es eine Gegenbewegung gibt, beim Kaufen eine gleichzeitige und beim Leihen eine spätere. Beim Schenken gibt es keinen Anspruch auf eine Gegenbewegung; das Schenken kommt durch einseitigen Willensakt des Schenkenden zustande. Gegengeschenke kommen häufig vor und sind ein wichtiges Element von Schenkwirtschafts-Systemen; sie sind aber an keine definierten Fristen gebunden. Heute dagegen sind Schenkungen in vielen Beziehungen durch verzinsliche Darlehen, z.B. Studiumskredite, ersetzt worden.

Es ist ein charakteristisches Element des modernen Kapitalismus, dass er dazu neigt, verzinsliche und dadurch kalkulierbare Kreditverhältnisse zu schaffen und zu wenig zu verschenken.

Die Unterscheidung der drei Geldarten macht ihre je unterschiedlichen Voraussetzungen, Funktionen und Wirkungen überhaupt erst bewusst, was für das Verständnis neuer und alternativer Ordnungen des Geldwesens von grosser Bedeutung ist.