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Alterndes Geld

 

Von Silvio Gesell (1862 – 1930) stammt die Idee, jedes Geld müsse mit der Zeit abnehmen. Er nannte es Schwundgeld. Sein Zeitgenosse Rudolf Steiner übernahm die Argumentation von Gesell teilweise, machte daraus aber etwas anderes. Dies war ihm möglich, weil er die Unterscheidung der drei Geldarten gefunden hatte. Er sagte, nur das Leihgeld müsse mit der Zeit abnehmen, denn nur dem Leihgeld haftet ein zeitlicher Faktor an, nämlich die Frist bis zur vereinbarten Rückzahlung. Immer wenn Geld zu Vermögen angehäuft wird, bekommt es eine zeitliche Eigenschaft, auch wenn es nur gehortet wird. Tatsächlich sind ja in unserer Geldordnung die Vermögen das Problem, weil die Möglichkeit besteht, dass sie immer weiter wachsen und nie vergehen. Das Kaufgeld dagegen entsteht bei jedem Kauf neu. Wenn es nämlich als Buchgeld verstanden wird, ist es nicht eine Sache, die vom Käufer zum Verkäufer fließt, sondern der Zahlungsvorgang besteht darin, dass sich beim Käufer das Guthaben gegenüber der Geldgemeinschaft um den bezahlten Kaufpreis vermindert, und dass gleichzeitig beim Verkäufer ein neues Guthaben gegenüber der ganzen Geldgemeinschaft entsteht.

Die Alterung des Leihgeldes, das auf der Passivseite der Bilanz steht, ist das Gegenstück zur Alterung des Anlagevermögens auf der Aktivseite. Das ist aber nur eine allgemeine Feststellung. Wie schnell die langfristigen Vermögen abnehmen sollen (Rudolf Steiner verwendete dafür den Ausdruck „altern“) und wann sie ganz vergehen sollen – das müssen die Geldgemeinschaften in den Regeln ihrer Geldverwaltung selbst bestimmen, und es wird stark davon abhängen, ob der Einzelne für Alter, Krankheit, Invalidität und andere Risiken des Lebens durch Vermögensanhäufung selbst vorsorgen muss, oder ob dafür andere, solidarische Lösungen gefunden werden.

Wenn ein Vermögen durch Alterung verschwindet, verschwindet es nicht als Kaufgeld, aber der Eigentümer kann es nicht mehr für sich in Anspruch nehmen und als Kaufgeld verwenden. Er kann es nur noch verschenken, beispielsweise - je nach Regelung der jeweiligen Geldordnung -  an das Bildungswesen und für die Erfüllung sozialer, kultureller oder ökologischer Aufgaben. Die beschenkte Person oder Institution gibt es dann als Kaufgeld aus, und so bleibt es im Kreislauf. Die Alterung der Vermögen ist unbedingt nötig, wenn wir vermeiden wollen, dass das Geldsystem ein Wirtschaftswachstum erzwingt. Vermögen können zwar auch heute verloren gehen, Aber die Summe aller Vermögen wächst, wenn sie in der produktiven (und auch spekulativen) Wirtschaft investiert werden. Dann wächst auch die Geldmenge jedes Mal, wenn Zinsen, Dividenden, Handelsgewinne gezahlt werden. Dieses grenzenlose Wachstum wird nur dann vermieden, wenn Vermögen einer Alterung (Altersverminderung) ausgesetzt ist und in ausreichendem Maße für allgemeindienliche Zwecke verschenkt wird.

Wenn das Geld als Buchgeld in Verrechnungssystemen entsteht, erhält es bei seiner Entstehung die Eigenschaften, die es zwanglos und in wirtschaftlich sinnvoller Weise vom Kaufgeld zum Leihgeld und zum Schenkungsgeld werden lassen. (Vergleiche für eine genauere Darstellung der Geldschöpfung, der Vermögensalterung, der Zinsen, des Geldwertes und der Geldmenge das Buch „Nachhaltigkeit“ von R. Isler)