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Impulse, nicht abstrakte Ideen

Rückblickend auf die Dreigliederungsaktionen von 1919 bis 1922 sagte Steiner: „Ich erinnere mich noch an die Zeit, in der über diese Dinge viel diskutiert worden ist. Ich habe immer sagen müssen: Ich meine soziale Impulse! Das hat die Leute furchtbar geärgert. Denn selbstverständlich hätte ich sagen sollen: soziale Ideen oder soziale Gedanken; denn die Leute hatten für solche Dinge nur Gedanken im Kopfe. Dass ich von Impulsen sprach, ärgerte sie furchtbar: denn sie merkten nicht, dass ich ‚Impulse’ brauchte aus dem Grunde, weil ich Realitäten meinte und nicht abstrakte Ideen. Ausdrücken muss man sich selbstverständlich in abstrakten Ideen.“ (GA 81 S. 116) Was meinte Steiner mit Realitäten? Wir können die besten Ideen haben, ohne etwas davon in die Tat umzusetzen. Erst wenn sie zu Willensimpulsen werden, führen sie zu Realitäten im sozialen Leben. Steiner war der Meinung, dass „an jedem Punkt des Lebens eigentlich angefangen werden kann mit dieser Dreigliederung, wenn man nur will, wenn man nur ihren Sinn wirklich versteht“. Auch das Verstehen ist eine Frage des Willens. Dann ist „sie von jedem Punkte aus, an dem man heute im praktischen Leben drinnensteht“, durchzuführen. „Schon heute lässt sich von jedem Punkte aus diese Dreigliederung verwirklichen.“

Das Zusammenleben der Menschen ist etwas Lebendiges, das immer entsteht und vergeht. Am deutlichsten ist das in den wirtschaftlichen Prozessen der Fall, wo der einzelne Mensch niemals imstande ist, sich allein ein brauchbares Urteil auszudenken. Nur im Dialog der am Prozess konkret und mit widerstreitenden Interessen beteiligten Menschen kann ein wirklichkeitsnahes Urteil zustande kommen. In der Wirtschaft ist es daher die erste und wichtigste Aufgabe, diesen Dialog zu organisieren. Wie dann in den „Assoziationen“ die Auseinandersetzungen verlaufen werden, kann man nicht theoretisch vorher bestimmen, sondern man muss es in jedem konkreten Fall abwarten. – Auf anderen Grundgedanken beruht die Verwaltung des Geisteslebens. Sie ist durch und durch individualistisch. Rudolf-Steiner-Schulen wählen ihre Lehrkräfte selbst. Wenn diese tätig sind und die Schule führen, wird es sich zeigen, ob sie Anerkennung finden und ob Eltern ihnen ihre Kinder anvertrauen. Auch die Eltern sind in ihrer Schulwahl autonom. Ob eine solche Schule gelingt, hängt davon ab, wie fähig die Lehrer sind und wie gut sie mit den Eltern zusammenarbeiten.