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Allgemeinbildung

In der Politik muss der erste Schritt sein, dass die Staatsverwaltung die Schulbildung aus ihrer Obhut entlässt. Der Staat hat auch in der Bildung nur polizeiliche Aufgaben: Baupolizei, Gesundheitspolizei etc. Die Inhalte und Methoden des Unterrichts sind ausschließlich Sache der Lehrer und der Eltern. Wer die Macht in den Händen hat, wird das nicht gern zugeben, weil er weiß, dass in der Bildung die ersten und wichtigsten Grundlagen für die Zukunft gelegt werden.

Das gilt ganz besonders für den Unterricht in Wirtschafts- und Rechtskunde. Es gibt dafür schöne Lehrbücher. Man findet aber in ihnen fast auf jeder Seite einen Niederschlag von Dogmen und Vorurteilen. Diese Dogmen werden nicht nur in den Schulen und Hochschulen gelehrt und von den Medien jeden Tag verbreitet, sondern sie durchsetzen unbemerkt unser ganzes Denken und unsere Sprachgewohnheiten, auch dasjenige der Lehrkräfte und Erzieher. Sie werden auch von den Schülern als Gewohnheiten aufgenommen. Daher müssen die Lehrer und Erzieher daran arbeiten, im eigenen Denken die gewohnheitsmäßigen Dogmen zu überwinden.

Das soziale Bewusstsein, das Empfinden und Wollen der Kinder wird durch alles, was wir tun und sagen, tief beeinflusst. Wenn wir realistische Begriffe von Arbeit, Wert, Geld, Besitz und Eigentum haben, erzählen wir schon im Kindergarten viele Geschichten anders, als wenn zum Beispiel unsere Vorstellung von Geld materialistisch ist. Auch die Art, wie wir über Bruchrechnen und Prozentrechnen sprechen, wird davon beeinflusst. Wir müssen nicht Theorien vermitteln, sondern Phänomene so beschreiben, wie sie sind. Phänomene beobachten ist nicht etwas Gedankenloses, denn wir müssen die Phänomene immer auch verstehen, sonst starren wir sie bloß an. Wir verstehen sie aber nicht, wenn wir sie durch etwas Theoretisches, was nicht in ihnen liegt, zu erklären versuchen. Erklären ist etwas anderes als Verstehen.

Das Kind lebt seiner Natur nach in einer reinen Schenkungswirtschaft. Wenn es nicht von außen dazu gezwungen wird, ist es ihm fremd, zu denken, es müsse für das, was es bekommt, etwas leisten, oder es müsse für das, was es leistet, eine Belohnung bekommen. Es vergleicht wirtschaftliche Werte nicht in einem gegenseitigen Tausch und berechnet sie nicht. Im Unterricht sollen bis zur beginnenden Pubertät, mindestens bis zum Ende des fünften Schuljahres, wirtschaftliche Werte nicht in Geld beziffert werden. Getreide ist wertvoll, weil man daraus Brot backen und damit Menschen ernähren kann.

Wenn wir später im Rechnen Geld-Beispiele behandeln, darf das nicht mit abstrakt-wissenschaftlichem Hintergrund geschehen. Der Markt, der z.B. in Dreisatzrechnungen vorkommt, ist nicht ein Mechanismus zwischen Angebot, Nachfrage und Preis, sondern er ist ein Ort, wo Waren getauscht und gehandelt werden. Auch die Zinsrechnung darf man nicht als eine theoretische Gesetzmäßigkeit, die wie ein Mechanismus funktioniert, behandeln, sondern man muss immer das konkrete Geschehen zwischen Menschen anschauen. Mathematische und wirtschaftliche Rechnungen sind nicht das Gleiche. Prozentrechnungen sind reine Mathematik und sollen als solche verstanden und geübt werden. Zinsrechnungen dagegen müssen als angewandte Prozentrechnungen immer in einen konkreten sozialen Zusammenhang gestellt werden.

Die praktische Frage, wie Arbeitsleistung und Ertrag zusammenhängen, taucht in der Jugend früh auf. Da ist es notwendig, dass die jungen Menschen als Kinder erlebt haben, wie wichtig die Zusammenarbeit ist. Wenn sie zu Hause mithelfen oder in der Schule ein kleines Amt ausüben, ist ihre Leistung nur als Teil eines Ganzen wertvoll; isoliert hat sie keinen Sinn. Andererseits kommt auch das, was sie erhalten, Essen, Kleider usw., durch die Zusammenarbeit vieler zustande. Kinder sollten immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, dass Zusammenarbeit das Höchste ist und fast allen wirtschaftlichen Leistungen zu Grunde liegt. Nun kommt aber bei den Jugendlichen die Zeit, wo sie selber Geld verdienen wollen. Diese jungen Menschen wollen, wenn man es genau nimmt, Einzelunternehmer sein. Denn bei diesen ist es so, dass Leistung und Einkommen unmittelbar verbunden sind. Darauf muss man die Jugendlichen immer wieder aufmerksam machen: Du bietest eine Leistung an, und wenn diese erwünscht ist und gebraucht wird, kannst du dafür eine Gegenleistung, einen Preis verlangen. Du bist nicht „angestellt“ und erhältst keinen „Arbeitslohn“, sondern du erhältst einen Gegenwert für ein fertiges und brauchbares Werk. Mit dem „Lohn“ wird der Arbeit etwas angehängt, was nicht zu ihr gehört. Tausch mit Gegenleistung ist nicht eine Sache der Arbeit, sondern der Unternehmung. Wer in der Jugend einen kleinen Job sucht, ist in der Situation eines Einzelunternehmers.

Jeder Jugendliche sollte die Grundzüge der doppelten Buchführung kennen, denn durch diese lernen wir, Geldvorgänge zu durchschauen. Besonders wichtig ist es, dass wir dadurch lernen, Geld als Zahlungsmittel und Geld als Kapital zu unterscheiden. Wenn junge Menschen wirtschaftlich etwas Neues in Angriff nehmen wollen, brauchen sie Kapital. Der Zugang zu Kapital wird ihnen im heutigen System schwer gemacht. Das sollten wir ändern, so dass sie eine Chance bekommen, wenn sie ihr Projekt mit einem Investitionsplan für den Kapitalbedarf und einem Budget für die Erfolgsaussichten.überzeugend darstellen können.

Jugendliche sollen die Wirtschaft auch praktisch kennen lernen. Dabei ist der grundlegende Unterschied zwischen körperlicher und maschineller Arbeit zu beachten. Die Maschinenarbeit appelliert an unseren Intellekt. Wir müssen wissen, wie die Maschine funktioniert, damit wir sie richtig bedienen können. Auch die ganze Arbeitsteilung, in der eine Maschine drinsteht, müssen wir verstehen wollen. Wir müssen auch im großen Zusammenhang wissen dürfen, ob das, was wir tun, einen Sinn hat. Die körperliche Arbeit dagegen appelliert an unseren Willen. An beiden Arten von Arbeit teilzuhaben trägt zu unserer körperlichen und seelischen Gesundheit bei.