Hauptmenu

Die Verwaltung des Bodens durch das Geistesleben

Für das Geistesleben ist es charakteristisch, dass alles auf individueller Initiative beruhen muss. Seine Verwaltung muss durch und durch individualistisch sein.

Rudolf Steiner sprach darüber sehr deutlich: „Geist kann unter den Menschen nur walten, wenn der Geist von nichts anderem als von sich selber abhängig ist und wenn alle Institutionen, die den Geist zu pflegen haben, von nichts anderem als von sich selber abhängig sind.“ Diese individualistische Auffassung ist völlig neuartig. In den theokratischen Reichen vor der griechisch-römischen Antike übte das Geistesleben eine despotische Herrschaft aus. Auch heute neigt das Geistesleben, wenn es organisiert wird, zu hierarchischen Strukturen und damit zur Unfreiheit. „Daher – so Steiner – muss fortwährend in Freiheit, in lebendiger Freiheit gekämpft werden gegen die Tyrannis, zu der das Geistesleben selber neigt.“

In der Verwaltung des Geisteslebens braucht die Freiheit des Einzelnen eine Ergänzung, jedoch nicht eine feste, hierarchische Organisation, sondern eine intensive kollegiale Zusammenarbeit auf Grund eines immer wieder neuen, freien Entschlusses.

Beispielhaft kann man das in Schulen erleben. Jede Lehrperson ist in ihrem Unterricht, wo sie allein vor der Klasse steht, auf sich selbst gestellt. Jedoch könnte keine Schule existieren, wenn die Lehrer nicht zusammenarbeiteten. Die freie kollegiale Zusammenarbeit setzt voraus, dass alle Beteiligten sich der gemeinsamen ideellen Aufgabe verpflichtet fühlen und dass sie regelmäßig gemeinsam daran arbeiten, die geistigen Hintergründe dieser Aufgabe immer besser zu erkennen. Damit ist man nie fertig. Die kollegiale Selbstverwaltung muss davon ausgehen, dass jeder Beteiligte sich weiterentwickeln und verwandeln kann, dass er, mit anderen Worten, geistig produktiv ist und Neues schafft.