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Die Bodenrente im Unternehmensgewinn

Anders ist es, wenn durch individuelle Initiative mit dem Boden anders umgegangen wird. Dann kann man davon ausgehen, dass die Bodenrente im Reinertrag eines Unternehmens enthalten ist, ohne dass man in Geld ausdrücken kann, wie hoch ihr Anteil ist. Dann wird es entscheidend, dass man für die Verteilung des Gewinns zu neuen Methoden kommt. Man darf, wenn man den Gewinn verteilen will, nicht nach seiner Herkunft fragen, also nach der Vergangenheit, sondern man muss in die Zukunft blicken und fragen, welcher Bedarf gedeckt werden soll. Die Mitarbeiter sind mit ihren Angehörigen nicht die einzigen, die vom Wirtschaftsertrag leben müssen. Auch die Rentner, die Kranken und Invaliden, die Kinder und Jugendlichen in Ausbildung müssen davon leben können. Außerdem werden wir den Lehrern, Forschern und Künstlern einen Anteil am Wirtschaftsertrag geben, wenn wir sie von der Mitarbeit in der produktiven Wirtschaft freistellen wollen.

Nahrung, Kleidung, Wohnung usw. gibt der Boden allen Menschen nur dann, wenn er bearbeitet wird. Weil die Erde allen Menschen gehört, haben alle einen Anspruch auf ihren Ertrag, denn im Gewinn ist die Bodenrente ununterscheidbar mit dem Ertrag der Arbeit und des Kapitals vermischt. Die Verteilung des Gewinns ist, wie im Text über Arbeit und Einkommen gezeigt, kein Kauf mit Leistung und Gegenleistung, sondern ein einseitig gerichteter Vorgang. Die Aufteilung des Gewinns erfolgt nach anderen Kriterien als seine Entstehung und erfordert einen neuen Willensakt. Dieser kann frei und doch ohne Willkür sein, wenn zuerst detaillierte Regeln ausgearbeitet und dann in jedem Einzelfall angewendet werden. So kann die Bodenrente restlos in den Gewinn verschwinden und bei der Gewinnverteilung allen Verbrauchern nach Gesichtspunkten des Bedarfs zugeführt werden. Ein wirklich soziales Leben erreichen wir, wenn wir an der Basis damit beginnen, den Boden mit ideellen Zielen und Aufgaben zu verbinden. Dann muss der Nutzer nicht durch Abgaben dazu gezwungen werden, die Bodenrente an die Allgemeinheit abzuliefern, sondern die ganze Mitarbeiterschaft eines Unternehmens wird in die Lage versetzt, freiwillig sinnvolle soziale Regeln bei der Gewinnverteilung anzuwenden.

Wenn man eine Bodenreform durch nichts weiter als eine Abschöpfung der Bodenrente bewerkstelligen will, wählt man einen Weg ohne geistige Grundlage und Anstrengung. Der andere Weg, der den Boden an eine Idee bindet, fängt mit der geistigen Anstrengung an. Die staatliche Gesetzgebung und die Politik können diese Entwicklung niemals zustande bringen. Sie müssen sich darauf beschränken, auch auf diesem Gebiet die freien Initiativen nicht zu behindern. Heute muss man mit allen Neuerungen und Fortschritten bei sich selber anfangen. Für Dinge, die nicht Aufgaben des Staates sind, müssen wir selber die Verantwortung übernehmen und im Wirtschaftsleben und im Geistesleben außerhalb des Staates neue, sachgemäße Strukturen schaffen. Das ist ein zeitgemäßer Weg zur Dreigliederung des sozialen Organismus. Dieser Weg beginnt im Geistesleben und führt von da aus in den Bereich, den man heute als Privatwirtschaft bezeichnet.