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„Der Boden muss an eine Idee gebunden werden“

Diesen Leitsatz hat der Landwirt Dr. Nicolaus Remer (1906 – 2001) als Grundprinzip einer wirklich neuen Bodenordnung bezeichnet. Bei jedem Grundstück ist es entscheidend, für welchen ideellen Zweck wir es zur Verfügung stellen wollen. Es kann sich um die Produktion notwendiger und sinnvoller Güter handeln, um Wohnungen aller Art, um Pflege der Natur, um Bildung und Erholung usw. 

Die Personengruppe, die für die Verwaltung eines Grundstücks zuständig ist, muss von diesem Zweck ausgehen und ihn an veränderte Bedingungen anpassen. Es ist klar, dass das eine sehr anspruchsvolle geistige Arbeit ist. Davon ausgehend ist der Boden Personen zur Verfügung zu stellen, die fähig und gewillt sind, den festgelegten Zweck zu erfüllen. So machen sich die Verantwortlichen und auch die Nutzer von innen heraus zu Trägern der Idee. Wenn diese Bedingung erfüllt ist, werden bei einem Nutzerwechsel die bisherigen Nutzer und die verantwortliche Gruppe sich gemeinsam darum kümmern, geeignete Nachfolger zu finden. In der Landwirtschaft ist es heute noch häufig ein Sohn oder eine Tochter des ausscheidenden Bauern; dies ist aber schon lange nicht mehr der Normalfall.

Die Verwaltung des Geisteslebens hat überhaupt nichts Zentralistisches und lebt von der Einsicht und Initiative der jeweils tätigen Menschen. Das gilt in gleicher Weise für Schulen, Hochschulen, Forschungsstätten und Einrichtungen des künstlerischen Schaffens und der Pflege des religiösen Lebens. Die Institutionen des Geisteslebens können und sollen untereinander kollegial zusammenarbeiten, indem sie Erfahrungen austauschen und sich gegenseitige Unterstützung anbieten. Das alles muss man sich so vorstellen, dass Geistesleben etwas viel Lebendigeres ist als heute, nämlich etwas, das ganz auf die freie, selbständige Entwicklungsfähigkeit und Erkenntniskraft der einzelnen Menschen gestellt ist. Die Bodenverwaltung muss eine Sache dieses lebendigen Geisteslebens werden. Wir können damit überall sofort beginnen, wenn wir nur wollen.

Der beste Weg besteht darin, dass ein Eigentümer sich dazu entschließt, seinen Boden einer gemeinnützigen juristischen Person zu schenken. Es ist zu wünschen, dass immer mehr Menschen, die Grundeigentümer sind, sich aus freier Einsicht dazu entschließen. Außerdem gibt es Gesellschaften, die Boden aufkaufen, um ihn den Nutzern zur Verfügung zu stellen. Dieser Kauf des Bodens kann dadurch finanziert werden, dass von den Nutzern eine Miet- oder Pachtgebühr verlangt wird.