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Produktionsfaktoren und Produkte

Arbeit, Boden und Kapital werden in der Wirtschaftstheorie als Produktionsfaktoren bezeichnet, und das ist insofern sinnvoll, als sie keine fertigen Produkte oder Leistungen sind, sondern die Voraussetzungen wirtschaftlicher Produktion. Ohne Boden (Natur), Arbeit und Kapital können keine Waren und Leistungen hervorgebracht werden. Erst wenn wir an irgendeinem Ort der Erde unsere Arbeit auf irdische Dinge anwenden und dabei oft auch Arbeitshilfsmittel (Kapital) einsetzen, entstehen brauchbare Waren und Leistungen, die „auf dem Markt“ angeboten und, wenn ein Bedarf danach besteht, verkauft werden können.

Auch Boden, Arbeit und Kapital sind wertvoll, aber auf ganz andere Weise als die Waren. In unserem Alltagsdenken sind wir durchaus nicht gewohnt, diesen fundamentalen Unterschied zwischen Produktionsfaktoren und fertigen Produkten scharf ins Auge zu fassen. Boden, Arbeit und Kapital werden wirtschaftlich erst dann wertvoll, wenn wir sie in produktiver Tätigkeit anwenden. Arbeit allein ist, auch wenn wir uns, wie im Sport, in höchstem Masse anstrengen, wirtschaftlich unproduktiv. Sie wird wertvoll, wenn sie Dinge der Natur in sinnvoller Art verändert. Auch die Natur (der Boden mit all seinen Nutzungsmöglichkeiten und verborgenen Bodenschätzen) hat allein keinen wirtschaftlichen Wert. Sie bekommt erst einen Wert, wenn wir sie durch Arbeit so verändern, dass wir sie gebrauchen und verbrauchen können.

Ein Kilo Weizen ist zunächst dadurch wertvoll, dass Menschen sich davon ernähren können. Immer wenn Dinge hergestellt werden, erhalten sie einen Wert als brauchbare Güter. Es ist wichtig, dass wir diesen Wertbegriff klar erfassen und ihn nicht mit dem Preis verwechseln. Das fällt uns nicht leicht, weil wir am liebsten nur das anerkennen, was wir messen und zählen können. Der Nährwert eines Kilos Weizen ist etwas Konkretes. Wenn wir dann sagen, der Weizen kostet den Geldbetrag x, erhalten wir einen abstrakten Wertbegriff. Der gleiche Betrag x kann für die verschiedensten anderen Werte stehen und ist für alle gleich. Die Marktpreise drücken nicht die reale Brauchbarkeit der einzelnen Güter aus, sondern immer nur die Wertverhältnisse zwischen den verschiedenen Waren. Die Preise sagen z.B.: Ein Paar Schuhe ist gleich viel wert wie hundert Liter Milch usw. Jeder einzelne Preis sagt aus, in welchem Verhältnis er zu allen anderen Preisen steht. Wir können also sagen:

Wirtschaftliche Werte sind das Ergebnis von Produktionsvorgängen. Wir können sie beschreiben und qualitativ bewerten, indem wir sie in den wirtschaftlichen Zusammenhang hineinstellen. Der Preis ist dagegen eine Abstraktion dieser konkreten wirtschaftlichen Werte und macht sie vergleichbar. Er bewertet die Waren und Leistungen rein quantitativ.

AuEinkommen1 Prodfaktoren

 Der Boden und die Arbeit können nicht wie Waren und Leistungen hergestellt werden. Wenn wir ihnen heute trotzdem einen Preis zuschreiben und sie auf Märkten gegen Geld tauschen (auf dem Bodenmarkt und dem Arbeitsmarkt), tauschen wir Produktionsfaktoren gegen fertige Produkte. Wir machen Boden, Arbeit und Kapital zu käuflichen Waren.

Wir müssen jedoch drei Kategorien von Werten unterscheiden:
 1. Werte von Produktionsfaktoren,
 2. Werte von Produkten,
 3. Preise von Waren.
Nur die Preise können wir in Zahlen berechnen. Die anderen beiden Werte sind dagegen als Funktionen zu erfassen, die wir beschreiben, nicht aber berechnen können.

Beim Boden muss man noch auf einen anderen wichtigen Aspekt aufmerksam machen: Wirtschaftlich verstehen wir den Boden richtig, wenn wir ihn als Produktionsfaktor ansehen. Rechtlich ist der Besitz oder das Eigentum von Boden ein Verfügungsrecht. Wenn man Boden kauft oder pachtet, erwirbt man nicht eine Ware, sondern ein Nutzungsrecht. Der Besitzer des Bodens hat das Recht, alle anderen Menschen von dieser Nutzung auszuschließen. Wenn wir Boden mit Geld kaufen, tauschen wir ein Recht gegen Waren. Dadurch tun wir so, wie wenn wir den Boden zu einer Ware machen könnten. Wir tun etwas, was nicht der Wahrheit entspricht. Auf diesen Punkt legte Rudolf Steiner in seiner Analyse besonders großen Wert.