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Die Trennung von Arbeitsleistung und Einkommen

Ohne viel nachzudenken gehen wir davon aus, dass jeder Mensch für sein eigenes Einkommen arbeiten soll. Da wir aber wissen, dass das in vielen Fällen nicht möglich ist, übertragen wir dem Staat die Aufgabe, auch denen ein Einkommen zu geben, die es sich nicht selbst erarbeiten können. Das dafür nötige Geld muss sich der Staat durch Abgaben und Steuern von der Wirtschaft holen.

Gesamtwirtschaftlich ist es richtig, dass die Menschheit von den Leistungen lebt, die sie erarbeitet. Aber für den einzelnen Menschen ist es nicht so, weil in der modernen Wirtschaft die Arbeitsleistungen auf viele Menschen aufgeteilt sind und weil nur durch die Zusammenarbeit dieser vielen ein brauchbares Produkt zustande kommt.

Die Leistung des Einzelnen lässt sich in den meisten Fällen nicht aus dem Ertrag der Produkte berechnen. Es gibt keine rechnerische Verbindung zwischen den beiden Größen, wenn man nicht künstlich eine einführt und dann von Leistungslöhnen spricht.

In der üblichen Wirtschaftstheorie wird der Produktionsertrag zwischen den drei Produktionsfaktoren aufgeteilt. Man spricht von Arbeitsertrag, Kapitalertrag und Bodenrente. Dieses Zurückrechnen des Ertrags zu den Faktoren beruht aber auf theoretischen Annahmen und entspricht nicht den realen Vorgängen. Das private Einkommen kann nicht als Preis für die Arbeitsleistung angesehen werden, denn es gehört nicht zur Produktion der Waren und Dienstleistungen, sondern zu deren Verbrauch. Dieser steht auf der anderen Seite der Wirtschaft, wo es um die Verteilung des Ertrags geht, die auf Grund von vertraglichen Regelungen vorgenommen werden muss − zunächst in jedem Unternehmen und dann auch in der Gesamtwirtschaft, das heißt in der Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen. Die Trennung von Arbeitsleistung und Einkommen ist eine Aufgabe der Wirtschaft. In ihr sind Arbeit und Einkommen insofern getrennt, als beide einseitig gerichtete Akte sind und den Charakter von Leistungen ohne Gegenleistung haben. Dort wo Arbeitsleistung nicht möglich ist (Krankheit, Invalidität usw.), wird das Unrichtige der direkten Kopplung von Arbeit und Einkommen offensichtlich und es wurden entsprechende Versicherungen und soziale Hilfen eingerichtet. Das teilweise Abschieben dieser Aufgabe an staatliche oder vom Staat beauftragte Träger war berechtigt in den Zeiten, als sich die Staaten und Großunternehmen überhaupt erst konsolidierten und Massenelend verhindert werden musste.

Heute müssen wir davon ausgehen, dass das Soziale, die Sorge für das Gemeinwohl zur Wirtschaft gehört. Statt diese Sorge an den Staat abzuschieben, müssen wir lernen, das Soziale als wirtschaftende Menschen selbst zu tun. Wenn dafür auch ein langer Prozess nötig sein wird, so ist es doch der einzige Weg, der in eine menschliche Zukunft führt.